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Re: Leben, Tod und alles, was man nicht sehen kann

Verfasst: 24. Dezember 2016, 11:17
von Momabo
Liebe Cestca,
... also ich würde sagen eine Eule, so 2/3 von unten wo die Äste ein V bilden
zeigst du uns noch die Auflösung?
Oder willst du uns nur veräppeln???

allen ein ruhiges Weihnachtsfest, nach gestern hatte ich das Gefühl, jetzt darf das Licht kommen :D

glg Mona bei der heute wieder mehr die Sonne scheint trotz Wolkendecke :sunshine: Schnee wäre mir zwar lieber, aber da muss halt die webcam vom Pitztal herhalten :mrgreen:

Re: Leben, Tod und alles, was man nicht sehen kann

Verfasst: 24. Dezember 2016, 12:14
von Cestca
Ja Mona, das ist eine, die einzige, die man von Auge sehen kann.

Im dem Bäumchen sassen am Tag, an dem ich das Bild machte, sechs(!) Waldohreulen. :lol: Zumindest hatten wir nach einer Stunde intensiven Absuchens mit Fernglas und Fernrohr von allen Seiten, immer mit genügend Abstand natürlich, mindestens sechs entdeckt. Das ist echt verblüffend, weil man von Auge nahezu nichts sieht, und sooo gross und dicht ist der Baum ja nun auch nicht. An anderen Tagen waren es bis zu neun. Waldohreulen treffen sich ausserhalb der Brutzeit gerne zu mehreren in solchen "Schlafbäumen", um gemeinsam zu übertagen.

Etwas näher herangezoomt sieht das beispielsweise so aus (hier sind vier zu sehen, wobei zwei davon zu einem Fleck verschwimmen):

Bild

Und hier noch eine von nahe:

Bild

Liebe Grüsse und frohe Festtage!
Cestca

Re: Leben, Tod und alles, was man nicht sehen kann

Verfasst: 24. Dezember 2016, 12:15
von Waldeule
...genau, die Eine sehe ich auch :roll:

Liebe Weihnachtsgrüße von
Waldeule

Re: Leben, Tod und alles, was man nicht sehen kann

Verfasst: 24. Dezember 2016, 12:21
von Momabo
Wow sooo viele? Boa :shock:
Werde mal bei Gelegenheit nachschauen wie die so aussehen :D
Glg Mona : 26

Re: Leben, Tod und alles, was man nicht sehen kann

Verfasst: 24. Dezember 2016, 12:22
von Waldeule
Aahhh, haben gleichzeitig abgeschickt. Aus der Nähe sehe ich die Schlafmittel.
Lernste nie aus ;) Sehr soziales Tier, zumindest im Schlaf :witz:

:danke: Cestca. Ziehe mich jetzt symbolisch und schweigsam in meinen Schlafbaum zurück. : 15 :sleeping: Zur Freude einiger hier : 26

Glg Waldeule

P.S. Zu schweigsamen Vögeln habe ich noch eine besondere Geschichte. Betrifft Krafttier Papagei!!! Nach Weihnachten....

Re: Leben, Tod und alles, was man nicht sehen kann

Verfasst: 24. Dezember 2016, 12:23
von Waldeule
:shock: SchlafMÜTZEN!

Re: Leben, Tod und alles, was man nicht sehen kann

Verfasst: 26. Dezember 2016, 15:53
von Waldeule
Habe gerade DIE Weihnachtsbotschaft für diesen Thread gelesen:

"Auch ich habe natürlich Fehler, ich esse zum Beispiel zu viele Süßigkeiten, sodass die Gefahr besteht, dass ich als Biene wiedergeboren werde! (Er lacht laut)"

(aus: Der Appell des Dalai Lama an die Welt. Ethik ist wichtiger als Religion. )

In Sachen Humor mithin mein größtes Vorbild! Noch einer:

"Wenn ich in der Wüste allein bin, ist es auch ziemlich egal, dass ich Seine Heiligkeit, der Dalai Lama bin, das nützt mir dann rein gar nichts! (Er lacht wieder lange und laut. )"

Coole Socke, Ihre Heiligkeit! So heilig will ich auch mal werden, wenn ich groß bin! :witz:

: 26 Waldeule

Re: Leben, Tod und alles, was man nicht sehen kann

Verfasst: 27. Dezember 2016, 20:49
von Waldeule
Hallo ihr Lieben,

der Schlafbaum ist wieder frei, falls jemand schnell noch flüchten möchte :baeh:

Das Thema vergangene Leben erregt ja teils die Gemüter und das hat auch nachvollziehbare Gründe. Da gibt es Schubladen, die es öffnet (Esoterik, Nebenschauplätze etc.) und Erfahrungen speziell wenn es um seelische Traumata oder pathologische Symptome geht, die dadurch angetriggert werden.

1. Manchmal ist es völlig überflüssig in die Vergangenheit zu blicken
2. Manchmal ist es extrem hilfreich

Beides versuche ich mal an einem Beispiel zu beleuchten.

Zu 1. Mein Sohn hatte trotz sportlicher Veranlagung in den ersten Lebensjahren oft motorische Störungen. Kein Arzt, kein Therapeut konnte helfen. Oft wurden wir nachts aufgeschreckt, weil er "sie kriegen mich " schreiend durchs Haus rannte. Fieberkrämpfe mit Atemaussetzern waren ebenfalls häufig.
Schließlich fand ein Homöopath die Lösung. Das ZNS unseres Kindes war durch einen speziellen Impfstoff belastet (BCG gegen Tuberkulose). Ein homöop. Mittel und einige Bachblüten genügten und die Symptome waren sofort (!) verschwunden.

Zu 2. Unser Verhältnis aber blieb schwierig. Oft machte ich mir Vorwürfe, weil ich ihn als "Verräter" empfand, ohne mir erklären zu können, woher dieses Gefühl stammte. Als ich mich urplötzlich zum ersten Mal an ein vg. Leben erinnerte, fand ich mich wieder als ältere Frau aus wohlhabenden Kreisen. Ich unterstützte junge Künstler und Wissenschaftler. Zwei waren mir besonders ans Herz gewachsen: ein junger Geisteswissenschaftler, selbstsicher und eloquent in jeder Hinsicht. Der andere ein von Emotionen gebeutelter Schriftsteller, der ständig in Schwierigkeiten war. Ihn bemutterte ich besonders und beauftragte den anderen oft wie einen großen Bruder, auf ihn zu achten. Ich war der Meinung, er sei ein guter Freund des ständig am Abgrund stehenden "Poeten". Der Schriftsteller hatte keine Hemmungen, seine Leiden mitzuteilen und den mütterlichen Schutz anzunehmen - finanziell wie emotional.

Durch eine Verkettung seltsamer "Zufälle" stieß ich auf den Briefwechsel zwischen dem Schriftsteller und mir und erkannte alle Einzelheiten meiner Erinnerungen wieder. Das Vorwort dazu stammte von dem "Freund", dem Wissenschaftler. Über 30 Jahre nach dem Tod des Schriftstellers und auch meinem Ableben schrieb der inzwischen etwa 80jährige sich seine Verbitterung von der Seele. Ich habe noch nie soviel Hass in einem Vorwort gelesen! Schlagartig erkannte ich meinen Sohn und die Erklärung für das Gefühl "Verräter". Auf einer unbewussten Ebene muss ich es auch zu Lebzeiten gewusst haben.

Der Schock löste sich in ein unglaublich tiefes Mitgefühl für den vermeintlich "Starken" auf und ich erkannte, dass er sich nach nichts mehr gesehnt hatte, als genauso mütterlich umsorgt zu werden wie sein Künstlerkollege! Konsequenterweise hatte er sich für ein Leben als mein Sohn entschieden - und musste 18 Jahre warten, bis ich ihn wirklich ganz und gar lieben konnte wie er ist! Nebenbei erfuhr ich, dass er zeitlebens damals eine leichte motorische Behinderung hatte, die anscheinend in diesem Leben mittels Homöopathie ausheilen durfte (s. 1.)

Herzliche Grüße an alle
Waldeule

Re: Leben, Tod und alles, was man nicht sehen kann

Verfasst: 27. Dezember 2016, 23:22
von AnnSophie
Liebe Waldeule,

ich lass da mal die alten Leben mal gerade noch im off hängen, und nehm erst mal ein paar der anderen Fäden auf,... Cestca Waldeulen-Baum und die gut getarnten Waldeulen fand es faszinierend ebenso wie die Elfen-Engelkinder-Geschichte.

Seniormember wird man mit einer bestimmten Anzahl an veröffentlichten Beiträgen und da hast Du mengenmäßig und inhaltlich gut zugelangt.

Zu deinem Vorbild, der Biene-in-Spe seine Heiligkeit der Dalai Lama schreibt ja in seinem Appell, dass Ethik wie Wasser und die jeweilige Religion wie ein bestimmter Tee ist.

So weit so gut, insbesondere, dass er als Religionsführer das so sagt, mein höchster Respekt. Und gleichzeitig glaub ich, dass die Menschen mal Tee, mal Kaffee, Saft oder einen Wein mögen.... will sagen nur Wasser ist etwas langweilig, da macht mensch ein neues Getränk/Religion. Und eins was Wasser und Tee/anderes Getränk also Ethik und Religion für mich unterscheidet, sind u.a. Rituale. Und die find ich irgendwie wesentlich. Warum ich die für mich so wichtig sind, weiß ich (noch) nicht? Was sagt die Ethnologie dazu?

Irgendwie träum ich davon, dass wir (die Menschheit) eine wirkliche Weltreligion in der Platz für die verschiedenartigen Glauben der einzelnen Menschen ist und die gleichzeitig die Folgen des Wissens aus Aufklärung und Wissenschaft integriert (also für Herz & Intellekt) und eine so weise Struktur hat, so dass die Machtfrage gelöst wird (so dass letztere nicht mißbraucht werden kann.)... das passt auch zu dem was man noch nicht sehen kann.

Doch noch eine Frage zu den verschiedenen Leben. Hat jemand von Euch von Varda Hasselmann was gelesen, z.B. junge alte Seelen, Archetypen der Seele oder zur Seelenfamilie?

So viel mal für den Moment.

Herzlich AnnSophie.

Re: Leben, Tod und alles, was man nicht sehen kann

Verfasst: 28. Dezember 2016, 00:10
von Waldeule
Liebe AnnSophie,

letzte Frage zuerst, ja, Vada Hasselmann und Co. hatten wir in der Kinesiologie mal intensiv durchgenommen. Bin gespannt, was du dazu schreibst.

Die Ethnologie hat sich sehr vielfältig mit Ritualen auseinander gesetzt. Das sprengt hier etwas den Rahmen. Aber ein Ansatz ist, dass über Rituale, also streng festgelegte, immer gleich wiederkehrende Handlungen die Verbindung zum ursprünglichen Schöpfungsakt hergestellt werden soll. Raum und Zeit werden dabei gewissermaßen außer Kraft gesetzt. So wird die Entstehung der Welt oder das Erscheinen der Urahnen oder das göttliche Opfer, um eine Kulturerrungenschaft zu erschaffen, dargestellt. Re-ligio, Rückbindung also im wörtlichen Sinne.

Ich ersetze für mich das Wort Religion durch Spiritualität. Religion kann streng genommen nie wirklich tolerant sein - das bezieht sich jetzt vor allem auf die sog. Welt- und Schriftreligionen - da sie immer dogmatische, missionarische oder Alleingültigkeitsprinzipien beinhalten. Wer sich streng an die Schriften hält, wird immer auf Widersprüche stoßen, die von den Religionen als nicht anfechtbar geachtet werden. Spiritualität ist anders, aber darüber mehr beim nächsten Austausch. Muss ins Bett!

Gute Nacht :sleeping:
Waldeule

Re: Leben, Tod und alles, was man nicht sehen kann

Verfasst: 28. Dezember 2016, 23:54
von AnnSophie
Liebe Waldeule,
melde mich schon etwas müde noch zur Nacht.

Witzig ich dachte auch immer Religion würde von Rückbindung kommen, kommt aber wohl von religio "die gewissenhafte Sorgfalt in der Beachtung von Vorzeichen und Vorschriften", sagt Herr Jung und auch Frau Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Religion. Und eigentlich finde ich das unendlich passender.
Religion kann streng genommen nie wirklich tolerant sein - das bezieht sich jetzt vor allem auf die sog. Welt- und Schriftreligionen - da sie immer dogmatische, missionarische oder Alleingültigkeitsprinzipien beinhalten. Wer sich streng an die Schriften hält, wird immer auf Widersprüche stoßen, die von den Religionen als nicht anfechtbar geachtet werden.
Muss das so sein, dass Religionen nicht tolerant sein können? (Das dass sie's in der Vergangenheit all zu oft nicht waren und leider noch allzuoft immer noch nicht sind, geschenkt....) Revolutionen waren vor der friedlichen Revolution unserer Geschwister im Osten 1989 per Definition auch immer gewaltsam....

Ich glaube, wenn man die Mitkreatur (Mensch, Tier, Pflanze) achtet und wirklich achtsam die Vorzeichen und Vorschriften liest... kann man als reifes Wesen auch entscheiden, wann es Zeit ist die Regel einzuhalten und wann es die Zeit ist die Regel zu brechen. Der Regelbruch auch um den Sinn des Ganzen/das Eigentliche zu schüzen/zu fördern.

Das Wort auszuwechseln ist erstmal wie Altenheim und Seniorenresidenz... es triggert andere Bilder... entscheidend ist das was drin ist.

Zur "geänderten Zeitqualität" melde ich mich morgen, hat was mit dem Gott als liebenden Vater zu tun und dem Selbstverständnis, der Gotteskindschaft. Diese hat Jesus als erster so benannt .... und irgendwie geht's ja ums reinwachsen in diese unsere göttliche Bestimmung für jeden einzelnen.

Herzlich,

AnnSophie.
: 26

AnnSophie.

Re: Leben, Tod und alles, was man nicht sehen kann

Verfasst: 29. Dezember 2016, 10:49
von Waldeule
Liebe AnnSophie,

das ist jetzt eine echte therapeutische Maßnahme für mich! Hänge mit einer komischen Nervengeschichte im Rücken hier rum, die auf rein gar nichts anspricht....

Eine Kissenschlacht um Definitionen! JEAAHHH, bin ich sofort dabei :twisted: Das Wort Yoga geht auch über "das Joch", angebunden sein (klingt so natürlich sehr negativ), auf die m. E. gleiche Bedeutung zurück.
Aus Wiktionary:

"...daran anknüpfend auch die meisten Etymologen) führen religio → la zurück auf das Verb relegere → la „wiederauflesen, -sammeln, -wickeln, bedenken, acht geben, beachten“, und in diesem Sinn wurde es im Latein der Römischen Republik auch benutzt. So wurde mit religio → la die getreue Beachtung kultischer Regeln und Überlieferungen bezeichnet – in Abgrenzung zu superstitio → la als individueller beziehungsweise nicht auf die überlieferten Kultregeln festgelegter, ekstatischer Spiritualität. Erst etwa 350 Jahre später bezog der christliche Kirchenvater Lactantius religio → la auf das lateinische Verb religare → la „anbinden, zurückbinden, festhalten, an etwas festmachen“. Religion wäre nach dieser Darstellung die Rückbindung an einen von Gläubigen an- beziehungsweise wahrgenommenen göttlichen Urgrund. "

Regeln brechen? Dafür wurdest du in vg. Jahrtausenden gekreuzigt, verbrannt, gesteinigt, gehängt....! Bis ins 13. Jh. war es dem gemeinen Volk verboten, überhaupt eine Bibel in die Hand zu nehmen. TODESSTRAFE darauf! Soviel zur Toleranz der Kirche, die ein Monopol auf alle Regeln beansprucht Nur klerikale Experten durften die Schriften deuten. Das bekam ich während meines Studiums bei den interdisziplinären religionsethnologischen Seminaren mit den kath. Theologen noch deutlich zu spüren. Ganz anders als bei den evang. Kollegen wurde hier über bestimmte Inhalte mit Verweis auf die Hermeneutik (Auslegungshoheit der "Experten") erst gar nicht diskutiert. Ist so. Punkt. ("Du Dummerchen", hing fast noch so im Raum)

Habe wegen Bewegungseinschränkung gestern einen Lesetag eingelegt. Auch interessant, dass der Wiedergeburtglaube Teil des Urchristentums war. Das wird von der Kirche heftig bestritten u. a. wegen fehlender Belege. Diese Belege, die das Konzil von Konstantinopel 553 betreffen sind dummerweise im 7. Jh. versehentlich (ein Schelm wer böses dabei denkt!) vernichtet worden, weil sie angeblich für Fälschungen gehalten wurden. Kaiser Justinian hatte der Überlieferung nach seiner Frau Theodore nachgegeben, die gemäß alter römischer Tradition in den Götterpantheon aufgenommen werden wollte - der Wiedergeburtglaube war logischerweise etwas hinderlich.

Du merkst, als ehemals katholisch erzogenes Kind, das mit Regeln einen "fantasievollen" Umgang pflegte, habe ich mit institutionalisierter Religion so mein Thema. Deswegen ist Spiritualität für mich eine Möglichkeit "neu" zu denken. Die Verflechtung zwischen dem Begriff Religion und den etablierten (Schrift')Religionen, drängt sich mir sonst immer auf.

: 26 Waldeule

Re: Leben, Tod und alles, was man nicht sehen kann

Verfasst: 29. Dezember 2016, 13:39
von AnnSophie
Liebe Waldeule,
das mit deiner Nervengeschichte tut mir leid. Wünsch Dir gute Besserung! Danke für's zu Ende lesen und aufbereiten der Religion.

Zu mir, ich bin einfach Protestant aus Berufung! Oder auch ich 'widerspreche stets', d.h. ich suche immer den Punkt, der mir (noch) nicht plausibel ist. Passenderweise komme ich auch aus einem sehr evangelischen laizistischen Elternhaus.

Als Jemand der seinen Glauben ernst nimmt, hat mich das Leben nach einer relativ freien/offenen Heimatfamilie und -Gemeinde, dann zu den Navigatoren gebracht. Das waren auch Menschen, die ihren Glauben ernst genommen haben, aber für mich zu eng waren, da war von der Freiheit zu der er uns berufen hat, viel zu wenig zu spüren. Und das was es zur Zeit noch in meiner Heimatgemeinde und drum rum gibt, sind immer mehr die evangelikalen ... das freie/offene, das mir so wichtig war/ist, spielt leider eine kleinere Rolle bzw. ist nicht mehr in der Kirche - und das finde ich auch schade für die Fragenden, die nachkommen. Ich hoffe auf einen Zeitenwechsel, auch hier.

Wiedergeburt & Christentum.
Die Anekdote mit dem Brand und der Kaiserin kannte ich noch nicht, finde sie aber sehr passend. Dafür habe ich ein anderes Schmankerl Johannes 3,3 in der Rückübersetzung aus dem aramäischen von Günther Schwarz:
Amen, amen! Ich sage dir: wenn jemand nicht wiederholt geboren wird, so kann er nicht wieder eingelassen werden in das Königtum Gottes.
Ich glaube ja, dass jeder Glaube seine Zeit und seine Berechtigung hat, d.h. dienen kann. Im katholischen Kosmos ist da nicht nur Gott sondern auch noch Maria und die Heiligen. Das kann hilfreich sein, manchmal sind Geschwister passender als die Eltern. Zu dem hat mit Maria auch die weibliche Gottheit, dies im AT teilweise auch noch gab, ihren Platz. Als Atheist glaub ich, dass nichts größer ist als ich/der Mensch, das kann auch dienlich sein... für einen gewissen Entwicklungsschritt.

Bei deinem Yoga "Joch" kam mir gerade in dem Kontext, das "Kreuz" vielleicht ist es ein analoges Symbol für ein ver-antwortliches Leben, in dem man sein Kreuz/Joch aufsich nimmt und trägt, was für einen eben auch in diesem Leben dran sein mag.

Regeln brechen.
Beim Schreiben war ich innerlich beim biblischen Gebot mit dem Feiertag heiligen das Jesus gegenüber den Pharisäern relativiert hat.
Beim Regelbruch ist die Frage, wer's macht, ob es tödlich/schlimm ist oder nicht. Fürsten/Könige und oft auch Kleriker hatten schon immer mehr Rechte Regeln zu brechen. Bei den menschlichen, denke ich da immer an die Farm der Tiere wie aus: "Alle Tiere sind gleich." und den anderen Regeln des Animalismus „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.“ wird. Hat sehr wahrscheinlich was mit der Erinnerung an mein Leben im dritten Reich und der zunehmenden Entrechtung zu tun. Auch in unseren Tagen kam z.B. Uli Hoeness mit einer lächerlich kleinen Strafe im Verhältnis zum Straftatbestand davon.

Ja die älteste Firma der Welt, äh allg. röm-kath. Kirche, da hab ich manchmal schon das Gefühl, dass der Machtausbau & -erhalt wichtiger erscheint, als die Kernaufgabe. Sie wurde/wird halt von Menschen gemacht und in Institutionen scheint die Macht oft wichtiger zu sein als die Liebe. Wobei ich vor dem aktuellen Papst großen Respekt habe. Und die evangelischen Kirchen auch ziemliche Machtapparte sind.

Und gleichzeitig ist das allgemeine Priestertum aller Gläubigen schon ein ziemliche Ansage von Luther gegenüber der Kirche.... in der Bibel/NT steht halt nichts von dem, dass Priester gleicher sind als andere, und noch manches andere.... da man man schon aufpassen, dass die Schrift nicht in falsche Hände fällt. :witz:

Übrigens meine "Dummerchen"/„Frauchen“-Erfahrungen waren im absolut Säkularen: Im ersten Praktikum bekam ich das Feedback: Dass ich für mein Alter und insbesondere, dafür dass ich eine Frau bin, zu sehr meinen eigene Meinung habe." War verletzend gemeint, seh's im Nachhinein als ein Kompliment. :baeh:


: 26 AnnSophie

Re: Leben, Tod und alles, was man nicht sehen kann

Verfasst: 29. Dezember 2016, 18:35
von Waldeule
Gut, dass du mich hier aus meinem Couch-Koma holst, AnnSophie!

Ich liege hier abwechselnd mit den Füßen nach oben an der Wand oder bäuchlings über der Couchlehne mit Kopf und Tablet am Boden! Die Rückenschmerzen haben irgendwie mit dem Thema zu tun. Bin gerade in Bilder auf einer Streckbank gepurzelt, weil ich es wohl mit der individuellen Auslegung der religiösen Überzeugung übertrieben hatte - so die Sicht der Kirche.
Deswegen hilft hier auch gerade nix, da muss ich erst mal zur Kernbotschaft durch...

Ich denke, man muss hier einiges auseinanderhalten, um die eigene Orientierung zu finden.

1. Dogma ist Dogma. Da steht rein gar nix zur Verhandlung. Die Kirchen wachen über Inhalte und Einhaltung. Notfalls können Sie mit Exkommunizierung einschreiten. Eine individuelle Interpretation der Schriften ist nicht vorgesehen. Da unterscheiden sich kirchliche Dogmen nicht von säkularen Gesetzen. Wie auch? Die Kirchen sind Machtapparate, hierarchisch strukturiert (auch wenn Luther hier viel bewegt hat) und verstehen sich als Hüter des Glaubens und seiner Quellen.

2. Die Zeiten ändern sich! :D ...und zwar schneller als die kirchlichen Strukturen. Genau das ist deren Problem. Durch die zunehmende Individualisierung haben die Menschen heute mehr denn je das Bedürfnis ihre Überzeugungen frei zu gestalten und zu wählen, woran sie glauben wollen und woran nicht. Dass das nicht im Sinne einer autoritären Obrigkeit sein kann, ist klar.
Auf den jetzigen Papst müssen die wirklich gut aufpassen - der dürfte einigen Klerikern ein Dorn im Auge sein.

3. Die Kirchen betreiben Politik. Dass es ursprünglich den Wiedergeburtglauben gegeben haben muss, ist eigentlich nur logisch. In der frühchristlichen Kirche waren viele konvertierte Heiden, die selbstverständlich nicht alle ihre Überzeugungen über Bord geworfen hatten. Das Argument, es könne nie Hinweise auf Wiedergeburt in der Bibel gegeben haben, weil es das Dogma der körperlichen Auferstehung gibt, kann mich nicht überzeugen. Widersprüche gibt es reichlich. Außerdem: Gerade die körperliche Auferstehung erinnert an schamanische Initiationsriten, während denen die Geister die Knochen des Schamanen abnagen und ihn dann symbolisch mit neuem Fleisch ausstatten, um ihn neu geboren wieder in die Welt zu schicken.

Auch die Überlagerung der heidnischen Bräuche durch christliche Feste ist als quasi politische Maßnahme vielfach belegt. Mal ganz abgesehen davon, dass z. B. Weihnachten ein rundum heidnisches Fest ist (Geburt des Sonnengottes, Nikolaus und Rentier sind als gehörnter Gott ursprünglich eine Personalunion und ultraorthodoxe, bibeltreue Christen gehen sogar soweit aus Santa Claus die Satan Claws (engl.) zu machen, also die Klauen Satans, kein Witz!), weil es nicht einen einzigen biblichen Beleg dafür gibt und dieses Fest ursprünglich auch von der Kirche abgelehnt wurde.
Papst Gregor II. hat im 7. Jh. ganz bewusst heidnische Bräuche gebilligt, sie aber mit christlichen Inhalten gefüllt. Den heidnischen Knochenkult ersetzte man mal eben durch Reliquien der Heiligen und sprenkelte etwas Weihwasser über den düsteren Kultort. Um die Heiden sich gewogen zu halten, auch wenn man sie als unvernünftiges Vieh bezeichnete, ging es, wie der Ethnologe Bernhard Streck im Buch "Sterbendes Heidentum" schreibt, "bei dieser religiösen Veredelung nicht um die Verabschiedung des Knochenkultes, sondern um die Verehrung der richtigen Knochen"!
Auch wenn einige das Thema Wiedergeburt gerne als esoterische Auswüchse und Neo-Heidentum abtun, hat es eine lange, fast ungebrochene Tradition. Von Platon in der Antike, über die jüdisch-mystische Tradition (Kabbala), zu Lessing, Goethe, Herder bis zur Theosophischen Gesellschaft ( unter H. P. Blavatsky rutscht es dann in die esoterisch-spiritistische Schublade).

Also, ihr Lieben, wir befinden uns in bester Gesellschaft :baeh:

Muss mal wieder die Position wechseln, ächz, stöhn... :humpeln:

: 26 Waldeule