Gut, dass du mich hier aus meinem Couch-Koma holst, AnnSophie!
Ich liege hier abwechselnd mit den Füßen nach oben an der Wand oder bäuchlings über der Couchlehne mit Kopf und Tablet am Boden! Die Rückenschmerzen haben irgendwie mit dem Thema zu tun. Bin gerade in Bilder auf einer Streckbank gepurzelt, weil ich es wohl mit der individuellen Auslegung der religiösen Überzeugung übertrieben hatte - so die Sicht der Kirche.
Deswegen hilft hier auch gerade nix, da muss ich erst mal zur Kernbotschaft durch...
Ich denke, man muss hier einiges auseinanderhalten, um die eigene Orientierung zu finden.
1. Dogma ist Dogma. Da steht rein gar nix zur Verhandlung. Die Kirchen wachen über Inhalte und Einhaltung. Notfalls können Sie mit Exkommunizierung einschreiten. Eine individuelle Interpretation der Schriften ist nicht vorgesehen. Da unterscheiden sich kirchliche Dogmen nicht von säkularen Gesetzen. Wie auch? Die Kirchen sind Machtapparate, hierarchisch strukturiert (auch wenn Luther hier viel bewegt hat) und verstehen sich als Hüter des Glaubens und seiner Quellen.
2. Die Zeiten ändern sich!

...und zwar schneller als die kirchlichen Strukturen. Genau das ist deren Problem. Durch die zunehmende Individualisierung haben die Menschen heute mehr denn je das Bedürfnis ihre Überzeugungen frei zu gestalten und zu wählen, woran sie glauben wollen und woran nicht. Dass das nicht im Sinne einer autoritären Obrigkeit sein kann, ist klar.
Auf den jetzigen Papst müssen die wirklich gut aufpassen - der dürfte einigen Klerikern ein Dorn im Auge sein.
3. Die Kirchen betreiben Politik. Dass es ursprünglich den Wiedergeburtglauben gegeben haben
muss, ist eigentlich nur logisch. In der frühchristlichen Kirche waren viele konvertierte Heiden, die selbstverständlich nicht alle ihre Überzeugungen über Bord geworfen hatten. Das Argument, es könne nie Hinweise auf Wiedergeburt in der Bibel gegeben haben, weil es das Dogma der körperlichen Auferstehung gibt, kann mich nicht überzeugen. Widersprüche gibt es reichlich. Außerdem: Gerade die körperliche Auferstehung erinnert an schamanische Initiationsriten, während denen die Geister die Knochen des Schamanen abnagen und ihn dann symbolisch mit neuem Fleisch ausstatten, um ihn neu geboren wieder in die Welt zu schicken.
Auch die Überlagerung der heidnischen Bräuche durch christliche Feste ist als quasi politische Maßnahme vielfach belegt. Mal ganz abgesehen davon, dass z. B. Weihnachten ein rundum heidnisches Fest ist (Geburt des Sonnengottes, Nikolaus und Rentier sind als gehörnter Gott ursprünglich eine Personalunion und ultraorthodoxe, bibeltreue Christen gehen sogar soweit aus Santa Claus die Satan Claws (engl.) zu machen, also die Klauen Satans, kein Witz!), weil es nicht einen einzigen biblichen Beleg dafür gibt und dieses Fest ursprünglich auch von der Kirche abgelehnt wurde.
Papst Gregor II. hat im 7. Jh. ganz bewusst heidnische Bräuche gebilligt, sie aber mit christlichen Inhalten gefüllt. Den heidnischen Knochenkult ersetzte man mal eben durch Reliquien der Heiligen und sprenkelte etwas Weihwasser über den düsteren Kultort. Um die Heiden sich gewogen zu halten, auch wenn man sie als unvernünftiges Vieh bezeichnete, ging es, wie der Ethnologe Bernhard Streck im Buch "Sterbendes Heidentum" schreibt, "bei dieser religiösen Veredelung nicht um die Verabschiedung des Knochenkultes, sondern um die Verehrung der richtigen Knochen"!
Auch wenn einige das Thema Wiedergeburt gerne als esoterische Auswüchse und Neo-Heidentum abtun, hat es eine lange, fast ungebrochene Tradition. Von Platon in der Antike, über die jüdisch-mystische Tradition (Kabbala), zu Lessing, Goethe, Herder bis zur Theosophischen Gesellschaft ( unter H. P. Blavatsky rutscht es dann in die esoterisch-spiritistische Schublade).
Also, ihr Lieben, wir befinden uns in bester Gesellschaft
Muss mal wieder die Position wechseln, ächz, stöhn...

Waldeule
Humor...
... ist der Knopf, der verhindert, dass einem der Kragen platzt - J. Ringelnatz -
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