Ich fühle mit dir, ich kenne das nur zu gut. Das Gefühl, es nicht zu schaffen, nicht vorwärts zu kommen, keine Kraft mehr zu haben. Und die Frage "wie macht man das?" kann ich dir so konkret nicht beantworten. Ich kann dir nicht sagen, was wann wodurch genau bei mir "passiert" ist. Es war ein Prozess mit vielen, vielen kleinen Schritten. Und der erste ist zu wissen, wo du hin willst.
Du weisst ja schon, dass du dir selbst mit deinem Hass am meisten schadest, oder? Und dass, wenn du andere mit deinem Hass bestrafen willst für das, was sie mit dir gemacht haben, du dich selbst kaputt machst?
Fang mit Dingen an, die für dich im Moment akzeptabel sind. Kannst du dir sagen "Ich kann noch nicht verzeihen, weil zu viel passiert ist. Aber ich möchte verzeihen, weil ich weiß, dass es wichtig für meinen Heilungsprozess ist". Nur ein Beispiel, such dir eigene Sätze. Und hab Geduld. Das ist vielleicht das schwerste...
Und was deinen Mann angeht: Vielleicht kann er dich einfach wirklich nicht verstehen. Es ist sehr schwer, jemanden zu verstehen, der depressiv ist, wenn man das selber nicht kennt. Man möchte immer gern anspornen und aufmunternde Sprüche bringen, vielleicht auch immer wieder anschubsen und sticheln, um was in Bewegung zu bringen. Natürlich bringt das nichts wenn du voll drinhängst, aber das ist für ihn sicher sehr, sehr schwer zu begreifen. Kannst du akzeptieren, dass das für ihn eine ganz schwierige Situation ist? Die meisten Männer sind doch Macher, und er kann garnichts machen. Vielleicht ist er im Grunde so hilflos wie du? Und kann nicht damit umgehen?
Ich kann dir nur sagen, geh kleine Schritte und gib nicht auf. Klar kannst du nicht immer stark sein und kämpfen, aber verlier den Weg nicht aus den Augen. Es ist bestimmt nicht leicht, aber du kommst sicher vorwärts. Du kannst das nur nicht immer selbst sehen.
Fühl dich umarmt und gedrückt
gnomi




